Startseite - Mobile
104,720€ +1,04 %   01.02.2023 17:35

Wie lässt sich Flächenverbrauch begrenzen?

Limiting soil sealing

Artenschwund, Bedrohung für Anbauflächen, Hochwassergefahr, Entstehung von Hitzeinseln sowie Klimaerwärmung sind nur einige Beispiele von vielen für die aus der Versiegelung von Flächen entstehenden Folgen. Diesen Risiken will das im Juli 2021 verabschiedete französische Klima- und Resilienz-Gesetz mit Festlegung eines bis 2050 zu erreichenden Netto-Null-Ziels entgegensteuern. Die zu den Hauptbetroffenen zählenden Projektentwickler und Bauunternehmen rüsten sich dafür – VINCI Immobilier peilt dieses Ziel bereits für 2030 an.

Netto-Null. So lautet kurz und bündig das Ziel von null zusätzlichem Flächenverbrauch. Anders ausgedrückt, der Umwandlung von Agrar-, Natur- und Waldflächen durch Baumaßnahmen, die ganz oder teilweise mit einer Versiegelung des Bodens verbunden sein können*.
Es ist kein Aus für Stadtentwicklungsprojekte, obgleich sie durch das Klima- und Resilienz-Gesetz erschwert werden. Vielmehr geht es darum, neue Ansätze zu finden und gegebenenfalls den projektbezogenen Flächenverbrauch zu kompensieren.

Reduzierter Bruttoflächenverbrauch

Bevor Kompensieren in Erwägung gezogen werden muss, ist in der Planung darauf zu achten, möglichst wenig oder gar keine neuen Flächen in Anspruch zu nehmen, d.h. flächensparende Immobilienprojekte zu entwickeln.
Konkret bedeutet das, auf Projekte mit hohem Naturflächenverbrauch und bestimmte Bauprogramme wie große Einfamilienhaussiedlungen zu verzichten, wenn im Verhältnis zur geplanten Grund- bzw. Wohnfläche zu viel Boden versiegelt wird.
VINCI Immobilier nimmt seit Januar 2022 Abstand von Projekten, bei denen pro Quadratmeter geschaffener Grundfläche mehr als ein Quadratmeter Baugelände zubetoniert wird.

Da der Wohnbedarf weiter steigt, ist es wohl kaum möglich, gar nicht mehr zu bauen. Die Lösung heißt daher: anders bauen.

Für jede verbrauchte Fläche wird eine andere renaturiert

Kernstück des Ziels Netto-Null Flächenverbrauch ist die Verpflichtung, jeden zubetonierten Quadratmeter durch Renaturierung einer gleich großen Fläche auszugleichen. Der Flächenverbrauch auf der grünen Wiese wird durch Begrünung in der Stadt entsprechend kompensiert.


„Bis in 8 Jahren wird jeder Quadratmeter in Anspruch genommener Fläche durch Renaturierung einer gleich großen Fläche bei anderen Projekten in Frankreich kompensiert.“
Olivier de la Roussière, Präsident von VINCI Immobilier

Hier kommt auch Urban Recycling ins Spiel bzw. die Kunst, einem ungenutzten Gebäude oder einem Grundstück, häufig einer Industriebrache, ein zweites Leben zu verleihen. Die gute Nachricht ist, dass Frankreich über einen reichlichen Brachflächenbestand verfügt: veraltete Büros und baufällige Wohngebäude, alte Militäreinrichtungen, aufgelassene Krankenhäuser, nicht mehr genutzte Industrie- und Gewerbegebiete am Stadtrand.
Sobald Liegenschaften mit Entwicklungspotenzial – 50 bei VINCI Immobilier aus einem 2019 zusammen mit Brownfield erworbenen ENGIE-Brachflächenbestand – ausfindig gemacht sind, kann die Wiedernutzung in Angriff genommen werden. Einige, zum Teil bemerkenswerte Folgenutzungen sind bereits in Umsetzung.
Darin besteht die zweite Netto-Null-Selbstverpflichtung von VINCI Immobilier: bis 2030 soll die Hälfte des Umsatzes mit Brachenrecycling­projekten erwirtschaftet werden.

Teilentsiegelte Industriebrache in Clermont-Ferrand

Ein Werksgelände aus den 1960er Jahren mit Parkplätzen und Lagerhallen und späterer Lagerstandort eines Printmedienkonzerns. Ohne Zersiedlungseffekt und mit dem Vorteil einer höheren Wohndichte entstehen beim Stadtentwicklungsprojekt Fabriks de Mai in Clermont-Ferrand an der Stelle der alten Gebäude vier 7- bis 13-geschossige Wohnbauten mit insgesamt 360 Wohnungen. Neben zahlreichen anderen Vorteilen ist auch das Entsiegeln und Anlegen von 2.700 m2 bodensanierter Gartenfläche miteingeplant.

Die Projektentwicklerbranche verändert sich

Ist Ihnen Phytomanagement ein Begriff? Bis vor Kurzem wussten Projektentwickler nicht, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Heute ist diese sich auf die Natur stützende Bodensanierungstechnik – z.B. die Nutzung schadstoffeliminierender Wurzeln und Mikroorganismen – fester Bestandteil ihres Fachwissens.
Die Herausforderungen verändern sich und die beruflichen Erfordernisse mit ihnen. „Landschaftsgestaltung, Begrünung und Erhaltung der Artenvielfalt sind Kompetenzen, die von unserem Beruf nicht mehr wegzudenken sind“, bestätigt Olivier de la Roussière.

Eine Veränderung, die mit viel Bewusstseinsschärfung und Schulung einhergeht. Neue Tools wie der Netto-Null-Rechner werden dabei helfen, für jede Projektetappe den genauen Flächenverbrauch zu ermitteln. Es wird Aufgabe der 27 Umweltbeauftragten von VINCI Immobilier sein, die Nutzer in die neue Materie einzuweisen.

* Quelle: INSEE

Letzte Aktualisierung: 13. 01. 2023