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83,580€ +0,49 %   03.10.2022 17:35

Interview mit dem Vorsitzenden und CEO

Xavier Huillard,
Präsident und geschäftsführender Generaldirektor von VINCI 

„Das Wachstumspotenzial für unsere Leistungsbereiche war gewiss noch nie so hoch. Die Transformation der Städte, der Bausubstanz, der Verkehrsinfrastrukturen und der Energie- und Kommunikationsnetze… all diese Veränderungen mobilisieren zunehmend unsere Unternehmen, insbesondere rund um die zentrale Herausforderung der Gesundheit unseres Planeten.“

Wie lässt die wirtschaftliche Leistung von VINCI im Jahr 2021 zusammenfassen?

Es sind solide Leistungskennzahlen, in denen die Resilienz unseres Modells zum Ausdruck kommt. Wir sind ein zugleich robuster und beweglicher Konzern, der unter Beweis stellt, dass er es verstanden hat, sich agil an die sich ständig verändernden Bedingungen während der Gesundheitskrise anzupassen, um dann rasch wieder an unseren nachhaltigen Wachstumskurs anzuknüpfen. Durch den deutlichen Leistungsanstieg in der Energie- und in der Bausparte ist es 2021 gelungen, den Umsatz von 2019 zu übertreffen.
Im Bereich Konzessionen ist das dynamische Verkehrsaufkommen auf unseren Autobahnen hervorzuheben. Unsere Flughäfen waren zwar weiterhin stark von der Pandemie betroffen, die Auswirkung auf den Gesamtumsatz blieb jedoch relativ begrenzt. Auch unsere Ergebnisse sind stark gestiegen, begleitet von einem absolut bemerkenswerten freien Cashflow. Unsere Verschuldung ist unter Kontrolle, daher konnten wir unsere Investitionen und Akquisitionen unter optimalen Bedingungen realisieren.

Wie sahen die Trends in den einzelnen Konzernsparten im Genaueren aus?

Im Bereich Konzessionen ist darauf hinzuweisen, dass der im ersten Halbjahr durch die Reisebeschränkungen geringere Verkehr auf den französischen Autobahnen ab dem Sommer das Vorkrisenniveau wieder erreicht und dann überschritten hat. Derselbe Trend ließ sich generell auch auf unseren Autobahnen außerhalb Frankreichs feststellen. Im Airportsektor hat sich die Lage im Laufe des Jahres in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent verbessert – ein Beweis dafür, dass der Flugverkehr nach Wegfall behördlicher Beschränkungen rasch wieder anzieht. Darüber hinaus haben wir in noch nie dagewesenem Umfang Anstrengungen unternommen, um die Investitions- und Betriebskosten zu senken.
Im Baubereich haben wir 2021 VINCI Construction und Eurovia in eine einzige Sparte zusammengeführt, die eine bessere Nutzung der einander ergänzenden Kompetenzen und Niederlassungsnetze weltweit ermöglicht. Diese Initiative wird unser Wachstumspotenzial in allen Teilbereichen der Bauwirtschaft auf Dauer stärken und unsere betriebliche Performance auch zeitnah verbessern. Das belegt bereits die 2021 erzielte Marge, die wie der Umsatz gegenüber 2019 einen Anstieg verzeichnet. Dazu kommt ein etwas höherer Auftragsbestand im Vergleich zu dem sehr hohen Stand 2020 – einem Jahr mit einem außergewöhnlich hohen Auftragseingang an Großprojekten.
Noch deutlicher war die Dynamik bei VINCI Energies mit Leistungskennzahlen, die zu den Branchenbesten gehören. Der engagierte Einsatz der VINCI Energies-Unternehmen, um ihre Kunden während der Gesundheitskrise zu unterstützen, hat die Kundennähe noch weiter gestärkt. Das zeigt sich nun im Wachstumstrend und im Auftragseingang. VINCI Energies zieht geschäftlich vollen Nutzen aus der Fähigkeit, Angebote zu entwickeln, deren zentrale Ausrichtung darin besteht, die Kunden bei ihrer energetischen und digitalen Wende zu begleiten.Als bedeutender Faktor für diese Sparte ist auch die knapp vor Jahresende finalisierte Übernahme der ACS-Energiesparte Cobra IS zu nennen.

Was bedeutet der Neuzugang Cobra IS für VINCI?

Wir haben immer wieder darauf verwiesen, dass wir uns im Bereich Energietechnik dezidiert verstärken wollen. Diese Ambition, eine globale Führungsposition in diesem Sektor aufzubauen, bestätigt sich durch diese bedeutende Übernahme – eine Investition im Umfang von rund 4,2 Milliarden Euro Unternehmenswert. Cobra IS ergänzt VINCI durch eine starke Präsenz auf der iberischen Halbinsel und in Lateinamerika sowie durch anerkanntes Know-how bei der Realisierung schlüsselfertiger Projekte in Zusammenarbeit mit der Projektentwicklungsabteilung für erneuerbare Energien auf Konzessionsbasis, die ebenfalls Teil der Übernahme ist. Durch diese Zusammenführung ändert sich die Größenordnung unserer Position auf diesen vielversprechenden Märkten. Denn wir werden unsere Investitionskraft und unser Know-how als Konzessions-, Bau- und Energietechnikanbieter einbringen. Damit verstärkt sich auch die Langzeitkomponente unseres Geschäfts, da wir von uns entwickelte Erneuerbare-Energien-Anlagen wie zuvor Autobahn- und Flughafenkonzessionen in unser Portfolio aufnehmen wollen.

Wie zeichnet sich der Ausblick für 2022 und darüber hinaus ab?

Trotz der pandemiebedingt anhaltenden Ungewissheit – die es schwierig macht, Prognosen anzustellen – sind wir für die Zeit nach der Krise gut aufgestellt. Dank Höchstständen in den Auftragsbüchern besteht Grund zur Annahme, dass VINCI Construction und VINCI Energies ihren Aufwärtskurs fortsetzen werden. Dazu kommt noch der Beitrag von Cobra IS. Im Bereich Konzessionen dürfte der Autobahnverkehr in Fortsetzung des Trends im zweiten Halbjahr 2021 – außer es werden neue Reisebeschränkungen verhängt – sein gutes Niveau halten. Das Flughafengeschäft bleibt insbesondere im internationalen Flugverkehr weiterhin abhängig von behördlichen Maßnahmen. Sobald sich die Lage bessert, ist jedoch wie in den vergangenen Phasen der Pandemie mit einer raschen Zunahme des Flugverkehrs zu rechnen. Aufgrund einer strukturell starken Mobilitätsnachfrage in diesem Sektor ist auch langfristig von einem Anstieg auszugehen.
Über die nahe Zukunft hinaus und darin liegt das wichtigste, sehr positive Signal, war das Wachstumspotenzial für unsere Leistungsbereiche gewiss noch nie so hoch. Als Anbieter in den Bereichen Mobilität, Bau und Energie sind wir im Herzen der Herausforderungen der Welt von heute. Die Transformation der Städte, der Bausubstanz, der Verkehrsinfrastrukturen und der Energie- und Kommunikationsnetze… all diese Veränderungen mobilisieren zunehmend unsere Unternehmen, insbesondere rund um die zentrale Herausforderung der Gesundheit unseres Planeten.

A propos, wie gehen Sie die Klimaschutzfrage in Ihren Unternehmensbereichen an?

Diese Frage ist für VINCI im Einklang mit den ehrgeizigen Selbstverpflichtungen, die der Konzern 2020 im Rahmen der Neuauflage seiner Umweltpolitik festgelegt hat, eine strategische Priorität. Sie ist der neue gemeinsame Horizont für sämtliche Konzernbereiche. Wir wollen und können dafür in allen Sparten und Tätigkeitsfeldern im Einklang mit einschlägigen Kompetenzen im Hinblick auf dieses prioritäre Ziel einen positiven Beitrag leisten. In Wahrnehmung unserer Verantwortung als Städtebauer und Raumordner und dank unserer konkreten Handlungsfähigkeit in Sachen Klimaschutz erschließen wir neue Wege für die Zukunft unserer Unternehmen und zugleich unseres Planeten. Unsere Aktionäre stehen im Übrigen diesbezüglich an unserer Seite. Sie haben mit großer Mehrheit für den Umweltbeschluss gestimmt, der ihnen bei der letzten Hauptversammlung vorgelegt wurde. Das gilt ebenso für die Anleger, die unsere Green Bonds zeichnen. Ihr Vertrauen bestärkt uns, diesen Weg weiter zu beschreiten.

Wie wird die neue VINCI-Umweltpolitik konkret umgesetzt?

Unser Handeln stützt sich auf starke Impulse von Seiten des Konzerns und das Engagement unserer Teams in der Praxis. 2021 war ein Jahr intensiver Mobilmachung, wie es der Erfolg unseres ersten Umweltwettbewerbs belegt. Eine Bewegung, die immer mehr in Gang kommt, denn auf die Aktionspläne, die alle Sparten erstellt haben, folgen Tausende von Initiativen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im betrieblichen Alltag. Alle gehen weltweit mit derselben Begeisterung und Kreativität an die Sache heran. Das beweist den hohen Stellenwert, den die Frage der Umwelt für den Zusammenhalt und den Umbau eines Konzerns wie unseren darstellen kann.
Die Umsetzung erfolgt in zwei Richtungen: Wir setzen Maßnahmen, um die durch die Unternehmenstätigkeit bewirkten Auswirkungen auf die Umwelt zu mindern, getragen vom festen Willen, in unseren Produktions- und Betriebsprozessen vorbildlich zu sein. Und wir unterstützen unsere Kunden und die Nutzer der von uns betriebenen Infrastrukturen in ihren Bemühungen, ihrerseits ihren Umweltfußabdruck zu verringern. Um in den beiden einander ergänzenden Bereichen voranzukommen, ist ein leistungsstarkes Innovationsgetriebe am Werk: auf Konzernebene über die Plattform Leonard sowie in allen Sparten und Unternehmen. Die Ökologisierung unserer Tätigkeitsfelder nimmt zunehmend Fahrt auf. Dabei geht es nicht nur um Neuerungen in der betrieblichen Praxis, sondern auch um Angebote und Lösungen als Tempobeschleuniger für die Umweltwende in Städten und Regionen, die wir maßgeblich mitgestalten. Das führt uns beispielsweise dazu, an der Seite anderer großer Partnerunternehmen in die Entwicklung von grünem Wasserstoff und Infrastrukturen zu investieren, um diese emissionsarme Energie, der eine wesentliche Rolle für die Mobilität von morgen zukommen wird, künftig erzeugen zu können.

Wie umreißen Sie vor diesem Hintergrund knapp und prägnant das Unternehmensprojekt von VINCI?

Unser Unternehmensprojekt ist entschieden auf Wachstum mit nachhaltigem Positiveffekt ausgerichtet. So wie es eine Dringlichkeit mit positiver Wirkung gibt – die für die Zukunft unseres Planeten und seiner Bewohner rasches Handeln gebietet – gibt es einen Wachstumspfad mit nachhaltigem Positiveffekt, wenn angesichts der Notwendigkeit einer kollektiven Mobilisierung alle unsere Unternehmen ihre treibende Rolle in vollem Umfang wahrnehmen.
Kurz gesagt, bestärken uns die Herausforderungen, mit denen die Welt heute konfrontiert ist, wie eh und je in unserem Streben nach Gesamtleistung. Für VINCI gehen Wirtschaft, Umwelt und Beitrag zum Gemeinwohl Hand in Hand. Das ist unsere Sicht von Fortschritt!

Letzte Aktualisierung: 18. 03. 2021