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89,900€ -2,91 %   28.09.2021 17:35

Interview mit dem Vorsitzenden und CEO

 
„DAS JAHR 2020 HAT DIE WIDERSTANDSKRAFT UNSERES KONZERNS UNTER BEWEIS GESTELLT. WIR KONNTEN UNS AUF SOLIDE ECKDATEN UND DAS VOLLE ENGAGEMENT UNSERER MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER STÛTZEN, UM DIESE BEISPIELLOSE KRISE ZU BEWÄLTIGEN. GENAUSO ENERGISCH BESCHREITEN WIR DEN WEG ZU NEUERLICHEM WACHSTUM.“

Wie hat sich die Covid-19-Pandemie 2020 auf die Geschäftstätigkeit ausgewirkt? 
VINCI war wie die meisten Unternehmen stark betroffen, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß je nach Geschäftsfeld und Land. Infolge der unmittelbaren Auswirkungen der behördlich verhängten Reisebeschränkungen waren die schwersten Folgen bei den Konzessionen zu verzeichnen. Sie führten zu einem Einbruch des Verkehrsaufkommens auf den Flughäfen und einem nicht ganz so starken Rückgang auf den Autobahnen. Der Schwerverkehr hat sich allerdings auf den französischen Autobahnen das ganze Jahr über gut behauptet – ein Zeichen für den hohen Stellenwert, der dem Straßenverkehr in unseren Volkswirtschaften zukommt. 
Bei den Bau- und Baudienstleistungen fielen die Auswirkungen deutlich geringer aus. In Frankreich waren sie stärker spürbar, da per behördlicher Anordnung die Arbeit auf den Baustellen beim ersten Lockdown zwei Monate lang so gut wie völlig komplett eingestellt werden musste. Es ist auch unserer zunehmenden Internationalisierung zu verdanken, dass wir in diesen Bereichen eine ordentliche Leistung und in einigen Ländern sogar einen Anstieg erzielt haben. 
Als Vorteil unserer dezentralen Organisation ist auch hervorzuheben, wie effizient sich die Konzernunternehmen angesichts der Krise in allen Geschäftsfeldern angepasst haben. Der Begriff Mobilisierung, der auf unseren Baustellen zum gängigen Sprachgebrauch gehört, hat hier seine volle Bedeutung erlangt. Ob es darum ging, die Mitarbeiter zu schützen, die Arbeitsmethoden an die neuen Gesundheitsvorschriften anzupassen oder die Betriebskontinuität bei der Erbringung öffentlicher Leistungen im Konzessionsbereich zu wahren, überall wurde reaktionsschnell, innovativ und engagiert gehandelt. Diese Mobilisierung zeigte sich nicht nur bei der Ausführung von Aufträgen, zum Beispiel bei dringlichen Leistungen für Krankenhäuser, sondern auch in Form zahlreicher Solidaritätsinitiativen mit Unterstützung durch unsere Unternehmensstiftungen im In- und Ausland. 

Welche Bilanz ziehen Sie wirtschaftlich und finanziell aus diesem Jahr? 
Ich halte vor allem fest, dass 2020 die hohe Widerstandskraft von VINCI in Ausnahmesituationen bestätigt hat. Das Geschäftsmodell, das wir mit Ausbau unseres Leistungsspektrums und zunehmender Internationalisierung seit Jahren vertiefen, hat in diesen turbulenten Zeiten seine Standfestigkeit bewiesen, genauso wie bei guter Konjunktur sein Potenzial für robustes Wachstum.
 In Sachen Resilienz haben unser Geschäftsführungsmodus und die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen denselben Stellenwert. Die Geschäftsführer der VINCI-Unternehmen verstehen es, sich an sich ändernde Randbedingungen anzupassen, beispielsweise durch rasches Reduzieren der Betriebskosten, sobald erste Anzeichen einer nachlassenden Geschäftstätigkeit festgestellt werden, oder durch Revidieren der Investitionspläne. Auch unsere Finanzpolitik, die häufig als zu vorsichtig kritisiert wird, hat sich als richtig erwiesen. Denn trotz Krise ist es gelungen, Working Capital und Cash deutlich zu verbessern und unsere Nettoverschuldung zu reduzieren. Es spricht für sich, dass die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s mitten in der Krise ihre langfristigen Noten für uns bestätigt haben. Das ist ein deutliches Zeichen des Vertrauens dafür, dass sie unser Business Modell für solide und unser Finanzmanagement für seriös halten.
 Dieser Resilienz ist es letztlich zu verdanken, dass der Konzern trotz dieser historischen Krise 1,2 Milliarden Euro Reingewinn – gewiss, das ist deutlich weniger als im Vorjahr – und ein sehr hohes Free Cashflow-Niveau – mit 2019 vergleichbar – erwirtschaften konnte. 

Hat die Krise nicht das Gleichgewicht zwischen Konzessionen und Bau- und Baudienstleistungen verändert? 
Im Gegenteil. Sie hat die Kohärenz unserer Wachstumsstrategie bewiesen, die stets auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen unseren beiden großen Konzernbereichen ausgerichtet war. In den letzten fünfzehn Jahren haben wir nicht nur dezidiert in den Ausbau unserer Autobahn- und Flughafenkonzessionen investiert, sondern auch das Portfolio von VINCI Energies vervierfacht und das internationale Niederlassungsnetz von VINCI Construction und Eurovia verdichtet. Wie unsere Tätigkeitsbereiche und unsere Projekte so ist auch unsere Wachstumsstrategie auf lange Sicht angelegt. Wir werden sie daher weiterverfolgen, um langfristig Wert zu schaffen und dafür sich bietende Gelegenheiten ergreifen, die unseren Zielen entsprechen. So agil wir unser Tagesgeschäft führen, so beständig halten wir an unserem strategischen Kurs fest! 

Apropos Langzeitsicht, wie gehen Sie die ökologische Wende an, eine wichtige Thematik für die Leistungsbereiche von VINCI?
Auch hier verbinden wir die Langzeitsicht mit einer starken Mobilisierung, um jetzt sofort zu handeln. 2020 war das Jahr der Implementierung unserer Umweltambition, die wir bis 2030 umsetzen wollen. Wir haben zu Beginn des Jahres ehrgeizige Ziele mit Schwerpunkt Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Naturschutz bekannt gegeben, darunter die Senkung der durch unsere Tätigkeit bewirkten Eigenemissionen um 40%. Die Gesundheitskrise hat das Bewusstsein für Risiken sowohl für die Gesundheit unseres Planeten als auch für die menschliche Gesundheit geschärft und uns in unserer Entschlossenheit bestärkt, die ökologische Wende zügig voranzutreiben.
 Wir sind überzeugt davon, dass unseren Branchen eine hohe Verantwortung, vor allem jedoch eine Zugpferdrolle bei der Ökologisierung von Bauwerken, Infrastrukturen und Mobilität zukommt. Die Dynamik, die wir angestoßen haben, zielt daher gleichermaßen darauf ab, eigenverursachte Emissionen zu senken und ökologischen Mehrwert bei den Projekten zu schaffen, die wir für unsere Auftraggeber ausführen, oder bei den Dienstleistungen für die Nutzer und Partner der von uns betriebenen Infrastrukturen. 
Dieser Ansatz zeigt sich in zahlreichen Maßnahmen. Dazu zählen die Emissionsminderung unserer Asphaltmischanlagen, die Installation von Photovoltaikanlagen auf Flughäfen, das in Frankreich in Zusammenarbeit mit den Regionen entwickelte Programm „Emissionsarme Autobahn“ und die Low Carbon Concrete-Produktfamilie Exegy in unserer Bausparte. Damit sich alle diesem Elan anschließen und die tägliche Praxis mit eigenen Initiativen bereichern können, hat VINCI 2020 zur Einbindung der gesamten Belegschaft in die Umweltambition des Konzerns den Umwelttag und den Umweltpreis eingeführt. Denn wir sind ebenfalls überzeugt davon, dass die ökologische Wende nur dann Erfolg haben wird, wenn wir unser Augenmerk verstärkt auf soziale und gesellschaftliche Belange richten – gerade in diesen für den sozialen Zusammenhalt angespannten Zeiten. Deshalb müssen wir uns stärker denn je auf diesem Feld engagieren und als humanistisches und inklusives Unternehmen handeln. Die Solidaritätsaktionen der letzten Monate haben uns den Weg gezeigt, wie wir weiter handeln und noch mehr bewirken können. 

Noch eine abschließende Frage. Mit welcher Einstellung gehen Sie das vor uns liegende Jahr an? 
Vieles bezüglich der weiteren Entwicklung der Gesundheits- und Wirtschaftslage ist noch ungewiss. Der Start der Impfkampagnen setzt jedoch ein durchaus positives Zeichen zu Beginn des Jahres 2021. Wie dem auch sei, wir sind zuversichtlich und entschlossen. Wir können uns auf solide Eckdaten und das volle Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stützen, um diese beispiellose Krise zu bewältigen. Genauso energisch beschreiten wir den Weg zu neuerlichem Wachstum. Ich wiederhole: bei VINCI zählt die Langzeitsicht. Wir sagen es immer wieder: die Leistung unserer Unternehmen wird umso länger Bestand haben, desto stärker wir sie für eine nachhaltigere Welt mobilisieren. Diesem Kurs folgen wir, ohne uns von Turbulenzen ablenken zu lassen – auch so großen, wie sie die aktuelle Gesundheitskrise hervorgerufen hat. Unser Blick bleibt geschärft für Chancen, die die Zukunft bieten wird. Für einen Konzern wie VINCI waren sie noch nie so groß und spannend wie jetzt! 

Xavier Huillard,
Präsident und geschäftsführender Generaldirektor von VINCI 

Letzte Aktualisierung: 18. 05. 2021