82,200€ -0,99 %   19.02.2018 17:35
Nachhaltigkeit    >    Unsere Lösungen    >    Projektmanagement – Neue Denkansätze

Projektmanagement – Neue Denkansätze

Der Hoch- und Tiefbau ist traditionell in separate Gewerke organisiert, die in der Projektausführung nacheinander tätig werden. Die Gestaltung der Arbeitsmethoden und Vertragsbedingungen ist darauf ausgerichtet, unveränderliche, lastenheftkonforme Bauwerke für den Zeitpunkt 0 zu errichten. Für ein vorausschauendes Projektmanagement über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg bricht VINCI heute diese Silos auf, setzt mit Co-Design und Co-Construction auf kollaborative Arbeit und erarbeitet in den Beziehungen zur öffentlichen Hand neue Partnerschaftsmodelle, die wirtschaftlich interessant sind und den Klimaschutzzielen dienen.

Universität Le Mirail: kollaborativer Arbeitsmodus für ein Großprojekt

Die für die Toulouser Universität Le Mirail geplante Rundumsanierung bot VINCI Gelegenheit, neue Arbeitsmethoden zu testen.

Die Metamorphose der Universität Le Mirail

Der Toulouser Universitätscampus Le Mirail wurde in den 1960er Jahren errichtet. Die umfassende Neugestaltung dieser emblematischen Campus-Anlage wurde zu einem großen Teil der VINCI-Gruppe zusammen mit dem Architektenbüro Cardete-Huet anvertraut. VINCI Construction France und VINCI Facilities (VINCI Energies) haben mit dem Träger im Umfang von 416 Mio. € eine öffentlich-private Partnerschaft für den Neubau und die Sanierung mehrerer Campus-Gebäude geschlossen.

VINCI Construction France wurde mit dem Abriss, der Planung sowie Neu- und Umbauarbeiten für drei der fünf Campus-Objekte betraut: 60.000 m2 neue Geschossfläche, darunter sieben Hörsäle. Zum Leistungsumfang gehörten auch der Bau einer 7000 m2 großen Überdachung, von 200 Wohneinheiten für Studenten und 120 für junge Campusmitarbeiter, 1100 Fahrzeugstellplätzen, Sporteinrichtungen und 90.000 m2 Außenanlagen.
Darüber hinaus hat sich das Unternehmen zu Energie- und Umweltleistungsmaßnahmen verpflichtet. Dazu gehört eine Recyclingquote von 92% für den anfallenden Bauschutt (55.000 t).
Die im März 2013 begonnenen Bauarbeiten erfolgten bei laufendem Hochschulbetrieb in drei Abschnitten und haben insgesamt 36 Monate in Anspruch genommen. Alle Neubauten wurden der ursprünglichen Struktur getreu errichtet, jedoch modular gestaltet.
Nach Fertigstellung übernimmt VINCI Facilities für eine Vertragsdauer von 27 Jahren den Betrieb, die Wartung, bauliche und technische Instandsetzungs- und Erneuerungsarbeiten sowie den Reinigungsdienst.

Kennzahlen:
- 36 Monate Bauzeit;
- Recycling der 55.000 t Bauschutt zu mehr als 92%;
- 94.000 m2 Geschossfläche saniert bzw. neu errichtet;
- Erweiterung der Nutzfläche auf 130.000 m2, anstelle von bisher 109.557 m2);
- ÖPP-Vertrag: 202 Millionen Euro staatliche Mittel für die Campus-Erneuerung und ein vergleichbarer Mittelrahmen für die bauliche Erhaltung sowie die Wartung und Instandhaltung der Anlage über eine Vertragsdauer von 27 Jahren.

Erprobung neuer Arbeitsmethoden

Der Umbau des heute in Jean Jaurès-Universität umgetauften Campus Le Mirail ist ein besonders komplexes Projekt mit verschachtelten Arbeitsschritten, denn die in drei Abschnitten auszuführenden Bauarbeiten sind bei laufendem Hochschulbetrieb (26.000 Studenten) zu realisieren. Jede Phase bedarf einer detailgenauen Planung für die provisorische Unterbringung, den Umzug, Abriss und Neubau. Die drei in der Projektgesellschaft Miralis vereinten Partner – VINCI Construction France, VINCI Facilities und ihr Finanzpartner DIF – haben dafür einen kollaborativen Arbeitmodus mit allen beteiligten Akteuren entwickelt.

Co-Design mit einem Akademiker-Kollektiv

Eine Universität ist kein Ort wie jeder andere. Bereits in einem sehr frühen Stadium des Projekts hat sich VINCI daher an eine Gruppe von Akademikern gewandt, um eine Spezifikation zu erstellen, bei der die Identität des Standorts gewahrt bleibt und die auf die Erfordernisse der Nutzer eingeht. Ein Kollektiv unter der Ägide des Philosophen Michel Serres mit Béatrice Salviat, Biologie-Dozentin, und Michel Authier, Mathematiker, Philosoph und Erfinder des „Baums des Wissens“, und weiteren Mitgliedern wurde beauftragt, sich zusammen mit den Architekten über das neue Aussehen und die Gestaltung der Universität Gedanken zu machen.

Dazu: Jérôme Triomphe, Beauftragter für Qualität, Sicherheit und Umwelt (QSU), Bourdarios

„Der Unibetrieb muss weitergehen.“

„Wir machen viel Präventionsarbeit zugunsten der Sicherheit, nicht nur gegenüber den Studenten und Professoren im unmittelbaren Umfeld der Baustellen und unseren eigenen Leuten, sondern auch für die Mitarbeiter unserer Nachauftragnehmer. Alle Subunternehmen müssen eine für alle verbindliche Qualitäts- und Sicherheits-Charta unterzeichnen, die unsere Grundregeln aufgreift, und wir achten natürlich darauf, dass sie auch eingehalten werden. Damit richtet VINCI Construction France eine klare Botschaft an alle, die am Umbau der Toulouser Universität Jean Jaurès mitwirken. Denn bei einer Präsenz von 26.000 Studenten gibt es zahlreiche sensible Punkte zu beachten. Die Lärm- und Staubbelastung wird täglich kontrolliert. Wir haben festgestellt, dass Lehr- und Verwaltungskräfte, die bereits 2001 bei der Explosion im AZF-Werk vor Ort waren, bei Erschütterung und Lärm immer noch empfindlich reagieren. Auch darauf achten wir. Im Übrigen muss der Unibetrieb unterbrechungsfrei weitergehen. Das erfordert eine präzise getaktete Planung aller Arbeitsschritte mit rechtzeitiger Bereitstellung der provisorischen Räumlichkeiten. In der ersten Bauphase hatten wir tägliche Baubesprechungen mit der Universitätsleitung. Zwischenzeitlich gründet sich unsere Beziehung auf Vertrauen.“

Ein Projekt mit kollaborativem Arbeitsmodus

Von Anfang an wurde mit allen Projektbeteiligten ein für alle vorteilhafter kollaborativer Arbeitsmodus eingerichtet.
Beispielsweise wurde bei diesem Projekt ein neues, vom VINCI-Schulungszentrum Agen entwickeltes Verfahren zum Einziehen abgehängter Kassettendecken zur Anwendung gebracht, mit dem sich die Einbauzeit gegenüber dem Stand der Technik halbieren ließ.
Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit von VINCI Construction France und VINCI Energies zur Optimierung der Energieeffizienz der neuen Universität. Eine gemeinsam entwickelte, 7000 m2 umfassende Überdachung schützt die Gehwege nicht nur vor Wind und Regen, sondern sorgt auch für mehr Licht im Winter und Schatten im Sommer. Dieser kollaborative Ansatz wurde auch sehr früh auf Fragen der künftigen Wartung und Instandhaltung ausgeweitet. Um eine effiziente Reinigung und Instandhaltung der Überdachung zu gewährleisten, haben die VINCI Facilities-Teams darum gebeten, Fallschutzvorrichtungen und leicht zugängliche Wasseranschlüsse vorzusehen.

Ein Blue Fabric-Projekt

Das Objekt in Toulouse war für VINCI eine Gelegenheit zur Anwendung von Blue Fabric, einem städtebaulichen Ansatz, der menschen- und nachhaltigkeitsorientiert Wert für alle schafft und die Erfahrung eines verantwortungsbewussten Bauunternehmens in das Projekt einbringt und in den Dienst der Stadtentwicklung stellt.

Die Campusgebäude wurden abgerissen und mit einem größeren Grundrissraster neu errichtet. Durch die freitragende Konstruktion lässt sich der Innenraum beliebig gestalten.

Dem ursprünglichen modularen Konzept getreu stützt sich das Projekt auf innovative Lösungen wie die maximale Nutzung der Wärmeträgheit, durch die es sich einem Plusenergiegebäude annähert.

Eine Neuauslegung des ursprünglichen Baukonzepts stellt den Bezug zur Natur her und fördert mit überdachten Gehwegen die Begegnung.

Öffentliche Beleuchtung: ein erhebliches Energiesparpotenzial

41% des kommunalen Stromverbrauchs entfällt auf die Straßenbeleuchtung. Es ist durchaus möglich, den Verbrauch intelligent zu drosseln, ohne den kommunalen Haushalt zu belasten. Die Lösung sind öffentlich-private Partnerschaften mit langer Vertragslaufzeit.

Eine Frage der Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit für Kommunen

Sämtliche Verträge zur Bewirtschaftung der Straßenbeleuchtung, mit denen Citeos, ein Unternehmen von VINCI Energies, heute betraut wird, enthalten Bestimmungen zur Verbesserung der Energieeffizienz. Citeos bietet den Kommunen im Rahmen von ÖPP-Projekten eine Gesamtlösung, um in Zeiten knapper werdender Haushaltsmittel und angesichts eines zunehmenden Umweltbewusstseins ihren Energieverbrauch zu senken.
Kennzahlen
Die Zahl der Lichtpunkte hat sich in Frankreich in den letzten 10 Jahren um 35% auf fast 9,5 Millionen erhöht.
Quelle: Association française de l’Eclairage (Beleuchtungsverband)

Die Positivspirale einer öffentlich-privaten Partnerschaft

Öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) sind eine effiziente Lösung für Kommunen, die ihre Straßenbeleuchtung erneuern wollen. Die bestehende Ausstattung mit Leuchtkörpern häufig älteren Fabrikats ist meist mit einem enormen Verbrauch verbunden. Bei ÖPP-Projekten legen die Kommunalverwaltung und das beauftragte Unternehmen vertraglich ein Energieeinsparziel fest. Das Unternehmen investiert in der ersten Phase des ÖPP-Vertrags und ersetzt den Altbestand durch eine moderne Straßenbeleuchtung der jüngsten Generation (LEDs, abgestufte Leuchtstärke je nach Uhrzeit, intelligente Ansteuerungssysteme usw.). Dadurch werden erhebliche Energieeinsparungen erzielt.

Über die Dauer des Vertrags wird dadurch die anfängliche Investition zum größten Teil abgedeckt und der Finanzierungsanteil durch die öffentliche Hand entsprechend verringert. Die erzielten Energieeinsparungen dienen der Vertragsnehmerin zur Tilgung der zur Finanzierung der Modernisierungsarbeiten aufgenommenen Kredite und als Entgelt für die erbrachte Leistung.

Lichterstadt Cergy-Pontoise

Im Rahmen der Bewirtschaftung der öffentlichen Beleuchtung der Stadt Cergy-Pontoise für eine Dauer von 18 Jahren hat sich Citeos verpflichtet, den Verbrauch bis 2018 um 35% zu reduzieren. Dieses Ziel wird durch die Erneuerung des Bestands und die Installation von 7000 LED-Leuchten erreicht. LEDs sind sparsamer als herkömmliche Leuchtmittel und lassen sich mit sofortiger Veränderung der Leuchtstärke bedarfsgerecht ansteuern.

„In den ersten Jahren einer ÖPP forcieren wir die Bestandserneuerungsquote auf über 40% im Vergleich zu jährlich 3% im französischen Gesamtbestand.“Xavier Albouy, Leiter der Marke Citeos (VINCI Energies)

Rouen, Ziel -27% Energieverbrauch

Die Stadt Rouen hat Citeos 2007 mit einem Gesamtbewirtschaftungsvertrag für eine Dauer von 20 Jahren betraut. Er umfasst die Straßenbeleuchtung mit insgesamt 15.700 Lichtpunkten, die Verkehrsleittechnik, die Modernisierung von Ampelanlagen und die Videoüberwachung. Citeos hat sich verpflichtet, den Energieverbrauch um 27% und die Wartungskosten um 15% zu verringern. Das neue, LED-basierte System auf dem Rathausplatz bietet gleich zwei Vorteile: es ist drei Mal sparsamer im Verbrauch und sorgt für eine effektvolle Beleuchtung einer der großen Sehenswürdigkeiten der Stadt.