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Startseite > Medien > Aktuelles > Offshore-Windkraft: Wie ist die globale Faktenlage? (28. 07. 2022)

Offshore-Windkraft: Wie ist die globale Faktenlage?

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28 Juli 2022 - Nachhaltigkeit

Offshore-Windkraftanlagen – größer und mit dem Vorteil eines stärkeren Windpotenzials als an Land – sind eine vielversprechende erneuerbare Energiequelle. Die meisten Szenarien gehen davon aus, dass der Windkraft im Energiemix von morgen ein wesentlicher Anteil zukommen wird. Es ist zwar ein Sektor in vollem Aufwind, aber nicht überall vollzieht sich das Wachstum im gleichen Tempo. Bremsend wirken mangelnde Akzeptanz, Fragen der Effizienz, Material- und Installationskosten. Wie lassen sich diese Hürden überwinden?

Energie wird in den kommenden Jahrzehnten sowohl sozioökonomisch als auch ökologisch eine Schlüsselherausforderung darstellen. Meereswinde sind justament eine unerschöpfliche Energiequelle. 10 km vor der Küste installierte Windturbinen nutzen diese Energie und speisen sie per Seekabel in das terrestrische Stromnetz ein. Sie sind bis zu 200 m hoch – je höher, desto mehr Wind – und besitzen breitere Schaufeln. Abgesehen davon funktionieren sie wie Onshore-Anlagen.

OFFSHORE-WINDKRAFT, EIN SEKTOR IM AUFWIND

Die Offshore-Windkraftkapazität steigt von Jahr zu Jahr (nach Angaben der Internationalen Energieagentur von 2018 auf 2019 um 26%). Rita Sousa zufolge, Partnerin im Faber‘s Ocean and Climate Tech Fund und Gastrednerin bei der bei Leonard organisierten Konferenz Erneuerbare Meeresenergien: Was uns Wellen und Wind versprechen, dürfte der Sektor bis 2026 mit einem jährlichen Wachstum von 13% ein Volumen von 87 Milliarden Dollar erreichen.

Offshore-Windkraftanlagen können doppelt so viel Energie erzeugen als Onshore-Anlagen

Dank höherer Windstärke und Megaturbinen können diese Anlagen bis zu 60% mehr Energie erzeugen als Onshore-Generatoren*. Darüber hinaus blasen die Winde und drehen sich folglich die Schaufeln regelmäßiger – ein erheblicher Vorteil angesichts der Fluktuationsproblematik bei erneuerbaren Energien. Und noch ein weiterer Vorteil: Offshore-Anlagen sind näher an den Verbrauchsstandorten, denn 60% der Weltbevölkerung leben weniger als 150 km von der Küste entfernt. Dadurch verringern sich die Energietransportverluste.

Technologische Fortschritte in Windeseile

Eine Verbesserung jagt die andere, um die Energieleistung noch weiter zu steigern. Eine neue Generation an Mega-Windturbinen bezieht Stellung. Die jüngste ist die Haliade-X von GE Renewable Energy. Mit 248 m Masthöhe und 107 m Schaufellänge ist diese Gigantin der Meere derzeit die leistungsstärkste der Welt (13 MW). Die Gondelmontage erfolgt in Frankreich in dem von VINCI realisierten Erweiterungsbau des Windturbinenmontagewerks Saint-Nazaire.

GLOBALER AUSBAU JEWEILS IN UNTERSCHIEDLICHEM TEMPO

Trotz des hohen Potenzials ist die weltweit installierte Offshore-Kapazität gegenüber Onshore-Anlagen immer noch gering. Der Grund? Verzug durch je nach Land unterschiedliche Rechts- und Verwaltungsvorschriften und eine dadurch verkomplizierte Festlegung von Standorten. Natürlich spielen auch die hohen Kosten für Herstellung, Installation (sowohl für die Fundamente als auch den Netzanschluss) und Instandhaltung eine Rolle. Fazit: Der Ausbau wird nicht überall im gleichen Tempo betrieben. Aktuell sind es fünf Länder (Großbritannien, Deutschland, Belgien, Dänemark und China), auf die fast 95% der installierten Offshore-Leistung entfallen. Ein stark konzentrierter Sektor!

Stark konzentrierter Markt für Offshore-Windkraft in Europa

Europa besitzt den größten maritimen Raum der Welt – ein bedeutender Vorteil für die Installation von Stromerzeugungsanlagen aus erneuerbaren Energien. Die Projekte konzentrieren sich zurzeit auf die Nordsee. VINCI hat am Bau des construction of the Trianel Windpark Borkum 2 in Deutschland (200 MW) zur Ökostromversorgung von mehr als 130.000 Haushalten mitgewirkt. Und in Spanien die Konverterstation DolWin kappa realisiert – nach Verschiffung in die Nordsee Bestandteil des TenneT-Offshorenetzes. Dank dieser Konverter-Plattform kann die offshore erzeugte Energie in das terrestrische Hochspannungsnetz eingespeist werden.

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Trianel Windpark Borkum 2: 32 Windturbinen zur Ökostromversorgung von 132.000 Haushalten

Aber auch auf dem Alten Kontinent sind viele Länder im Verzug. Zum Beispiel fand in Frankreich die erste Ausschreibung für einen Offshore-Windpark bereits 2012 statt, in Betrieb geht die erste Anlage vor der Küste von Saint-Nazaire allerdings erst Ende 2022.

Neue Marktteilnehmer im Offshore-Segment

China steht Europa nicht nach: Ende 2021 wurden drei neue Windparks in Betrieb genommen, darunter die größte Offshore-Anlage des Landes mit den größten Turbinen. Aber auch neue Länder positionieren sich, darunter Taiwan, die Vereinigten Staaten und Südkorea. Südkorea will den größten Windpark der Welt errichten, der mit 8,2 GW Leistung der Produktion von sechs Atomkraftwerken gleichkommt.

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ARBEIT AN DER AKZEPTANZ VON OFFSHORE-WINDKRAFTPROJEKTEN

Windkraft im Einvernehmen mit Artenvielfalt und Fischerei

Gegenwind für die Offshore-Windindustrie durch die Öffentlichkeit gab es sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Frankreich. Zahlreiche Küstenbewohner protestierten dagegen und prangerten die Anlagen als landschaftsverunstaltend sowie als eine Beeinträchtigung wirtschaftlicher Interessen wie Fischfang sowie des Lebens am Meeresboden an. Wie sieht die Faktenlage wirklich aus? Einem ADEME-Bericht zufolge beschränken sich die Umwelteffekte auf die Bauzeit des Offshore-Parks, sofort danach siedelt sich die Fauna wieder an. Das französische Meeresforschungsinstitut Ifremer merkt sogar an, dass „Strukturen in sandigen Meeresböden einen Riffeffekt schaffen und das Fischvorkommen fördern können“.

Schwimmende Windkraftanlagen als Antwort auf mangelnde Akzeptanz

Transparenz und Dialog sind wesentlich, damit der Sektor vorankommt. Innovation und neue technische Entwicklungen ebenso. Schwimmende Windkraftanlagen profilieren sich immer mehr als Alternative. Im Gegensatz zu vor Ort montierten, fest im Boden verankerten Anlagen, können schwimmende Windkraftanlagen an Land zusammengebaut und dank der Schwimmkörper an den gewünschten Standort geschleppt werden. Fazit: weniger baubedingte Negativeffekte für die Umwelt und eine geringere Eingriffsfläche am Meeresgrund. Da sie in größerer Entfernung zur Küste installiert werden können, sind sie weniger störend, weder für das Auge, noch für Aktivitäten wie Fischfang, Schifffahrt usw. Bei größeren Wassertiefen, die sich für herkömmliche Windkraftanlagen nicht eignen, wie in Frankreich, sind schwimmende Anlagen eine Möglichkeit, mit der sich der Verzug bei der Installation von Offshore-Kapazität aufholen ließe.

Alle Hürden hinsichtlich Kosten, relativer Leistung dieser EE-Anlagen, Regelwerken und Widerstand der Öffentlichkeit auszuräumen, ist Irina Lucke zufolge, Division Manager bei VINCI Energies, nur dann möglich, wenn auf nationaler und internationaler Ebene klare Ziele vorgegeben werden. Zudem braucht es Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Akteuren, um für Investitionen dieser Art einen Gang höher zu schalten. Zur Erreichung dieser Ziele sieht die Europäische Kommission in den nächsten dreißig Jahren Investitionen in Höhe von 800 Milliarden Euro vor. In diesem Sektor tätige Unternehmen werden auch durch spezialisierte Private Equity Funds unterstützt. Ein Beispiel dafür ist der Faber‘s Ocean and Climate Tech Fund, der aktiv in Technologien zur Erhöhung von Leistung und Lebensdauer grüner Offshore-Stromerzeugungsanlagen investiert.

Hier zu den Top 7-Alternativstandorten für EE-Anlagen

*Quelle: Ademe

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Stéphanie Malek
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