Leitwort des Verwaltungsratsvorsitzenden
Wir wollen den Erfolg von VINCI dauerhaft sichern
Im Jahr 2006 wurden die Funktionen des geschäftsführenden Generaldirektors und des Verwaltungsratsvorsitzenden an der Spitze des VINCI-Konzerns voneinander getrennt. Nach dem Rücktritt von Antoine Zacharias am 1. Juni 2006 bestellte der Verwaltungsrat der Gruppe mich persönlich zum Vorsitzenden und bestätigte Xavier Huillard in seinen Funktionen als geschäftsführender Generaldirektor und Mitglied des Verwaltungsrates. Die Komplementarität unseres Erfahrungshintergrunds und das in wenigen Monaten gewachsene gegenseitige Vertrauen zwischen uns werden der dauerhaften Sicherung des Erfolgs von VINCI auf jeden Fall förderlich sein.
Mir als Verwaltungsratsvorsitzendem obliegt die Aufgabe, für eine adäquate Führung und Kontrolle des Unternehmens Sorge zu tragen. Entsprechend den Empfehlungen eines im zweiten Halbjahr 2006 von einer unabhängigen Beraterfirma durchgeführten Audits habe ich mich dazu entschlossen, die Funktionsweise des Verwaltungsrates zu modernisieren. Zu diesem Zweck habe ich eine Änderung der Geschäftsordnung in die Wege geleitet und die Zusammensetzung der Fachausschüsse im Sinne einer besseren Marktkenntnis und verstärkter Beteiligung bei der Ausarbeitung der Konzernstrategie überarbeitet. Darüber hinaus habe ich die versprochene "Feminisierung" des Verwaltungsrates in Angriff genommen und mich um eine größere Vielfalt in Bezug auf Herkunft und Kompetenzbereiche seiner Mitglieder bemüht. Um eine optimale Information der Verwaltungsratsmitglieder zu garantieren, das Gremium insgesamt besser mit den operativen Gegebenheiten vertraut zu machen und ein engeres Verhältnis zur Konzernführung herzustellen, habe ich den Verwaltungsrat seit Juni 2006 bisher zehn Mal einberufen. Die Oktober-Sitzung fand in Prag statt, sodass die Mitglieder Gelegenheit zur Begegnung mit unseren Mitarbeitern in der Region hatten und ein präziseres Bild von den Marktchancen und Herausforderungen in Mittel- und Osteuropa, einem vorrangigen Entwicklungsschwerpunkt der Gruppe, gewinnen konnten.
Ein wichtiges Highlight für VINCI im Jahr 2006 war die klare Bekundung und Forcierung der Konzernstrategie. Durch die rasche und erfolgreiche Integration von ASF (Autoroutes du Sud de la France) konnte das Konzept als integriertes Bau- und Konzessionsunternehmen weiter konsolidiert werden. Nach der Verabschiedung eines ehrgeizigen Dreijahresplans verfügen die Märkte heute über einen hervorragenden Ausblick auf die Entwicklung der Gruppe in ihren vier Tätigkeitssparten. Der unter der Führung von Xavier Huillard ausgearbeitete Entwurf hierfür wurde sowohl vom Strategieausschuss als auch vom Verwaltungsrat insgesamt geprüft und von beiden einstimmig gebilligt.
Darüber hinaus stand das Jahr 2006 im Zeichen der Expansion. VINCI erlebte in den vergangenen zwölf Monaten ein bisher unerreichtes internes Wachstum, das insbesondere mit einer deutlichen Zunahme der PPP-Projekte (öffentlich-private Partnerschaften) verbunden war. Ebenso beeindruckend war auch das externe Wachstum, mit einem Zukauf pro Woche. Diese Wachstumsdynamik führte Anfang 2007 zum Erwerb der Firma Solétanche Bachy, mit dem der Konzern sein Angebot im Bereich Spezialfundamente und Bodenverfestigung ausbaut, und zur Erhöhung der Beteiligung von VINCI bei Cofiroute auf 82,4%. Der Verwaltungsrat ist überzeugt von der Qualität des Tätigkeitsportfolios von VINCI in den verschiedenen Sparten, dem hervorragenden Entwicklungspotenzial des Konzerns und der Richtigkeit des Konzepts als integriertes Bau- und Konzessionsunternehmen angesichts des enormen Infrastrukturbedarfs auf dem europäischen Markt.
Die Kursentwicklung der VINCI-Aktie an der Börse und der seit Jahresbeginn eingetretene Wertzuwachs – nachdem die Aktie zum 1. Juni 2006 mit 72,10 Euro notiert wurde, erreichte sie Anfang 2007 110 Euro, d.h. ein Plus von über 50% – zeugen vom Vertrauen der Aktionäre und der Märkte. Das verstärkte Engagement unserer wichtigsten institutionellen Aktionäre aus Frankreich und dem Ausland wie auch die zunehmende Zahl der Einzelaktionäre beweisen, dass die Anteilseigner unsere strategischen Vorstellungen teilen. Hohen Anteil an der Attraktivität der VINCI-Aktie hat auch unsere Dividendenpolitik, mit einer Ausschüttungsquote von 50%. Der größte Anteil am Kapital der Gesellschaft – über 8% zum 31. Dezember 2006 – befindet sich in der Hand der Belegschaftsaktionäre. Diese Form der Beteiligung am Unternehmenserfolg fördert nicht nur die Motivation und den Zusammenhalt im Unternehmen, sondern wirkt auch positiv auf die Leistungsverbesserung der Konzernunternehmen und verschafft dem Konzern eine unvergleichliche Stabilität mit Blick auf die Zukunft – alles Dinge, auf die wir sehr großen Wert legen.
Mit einem ausgewogenen Tätigkeitsportfolio, einem klaren Geschäftskonzept als integriertes Bau- und Konzessionsunternehmen, einem ausgezeichneten Führungsteam, 142 000 motivierten Mitarbeitern und einer aussichtsreichen Konjunktur auf sämtlichen Märkten, in denen der Konzern tätig ist, verfügt VINCI über beste Voraussetzungen für ein dauerhaftes und profitables Wachstum.
Yves-Thibault de Silguy
Vorsitzender des Verwaltungsrates von VINCI
Leitwort des geschäftsführenden Generaldirektors
“Wir wollen unsere Erfolge teilen”
“Wir wollen unser Geschäftsmodell, das auf gegenseitiger Befruchtung des Konzessionsbereichs und der Bauaktivitäten beruht, optimal nutzen"
Welche Bilanz ziehen Sie aus dem Jahr 2006?
Das Jahr 2006 war für VINCI einerseits durch Kontinuität, gleichzeitig aber auch durch neue Impulse geprägt.
Von Kontinuität kann man in so fern sprechen, als unsere Unternehmen wie in den Vorjahren eine unverminderte Wachstumsdynamik bewiesen haben. Der Umsatz legte – überwiegend durch organisches Wachstum – um 11% zu, und der Auftragsbestand erreichte per Ende 2006 einen historischen Rekord, mit einer 13%-igen Zunahme im Vergleich zum Vorjahr.
Dieses Wachstum weist drei spezifische Merkmale auf: Es ist ausgewogen, denn der Leistungsanstieg erstreckt sich auf alle vier Sparten und auf sämtliche Märkte, in denen der Konzern tätig ist – egal ob traditionelle oder neu erschlossene, lokale oder internationale Märkte. Des Weiteren handelt es sich um profitables Wachstum, da das operative Ergebnis noch schneller zugenommen hat als der Umsatz. Und es ist ein dauerhaftes Wachstum, da sich unsere Ergebnisse einem klaren Trend folgend Jahr um Jahr weiter verbessern. All dies beweist, dass unser Geschäftskonzept absolut schlüssig ist. Es hat sich auch in konjunkturell weniger günstigen Zeiten gut bewährt – und bringt in einem dauerhaft positiven Umfeld wie dem heutigen natürlich umso mehr Wachstum und Ertrag.
Die von mir angesprochenen neuen Impulse im Jahr 2006 waren zurückzuführen auf den Kauf der Autobahngesellschaft ASF (Autoroutes du Sud de la France). Unser historisches Geschäftskonzept als Bau- und Konzessionsunternehmen wurde durch die Zusammenführung mit ASF neu belebt, der Leistungsanteil des Konzessionsgeschäfts im Vergleich zu den anderen großen Tätigkeitsbereichen Energie, Straßenbau und Bau deutlich gesteigert. Damit hat sich die auf wiederkehrendem Geschäft beruhende Ertragsbasis verbreitert: die Konzessionen generieren heute zwei Drittel unseres Cashflows. Unser nochmals verstärktes Profil als integrierter Bau- und Konzessionskonzern verschafft uns eine entsprechende kritische Masse und neue Ressourcen zur Beschleunigung unserer Expansion auf langfristig wachstumsträchtigen Märkten mit dem zunehmenden Trend zu PPP-Projekten (öffentlich-private Partnerschaften).
Wie sehen die Wachstumserwartungen von VINCI aus, und welcher Anteil davon entfällt auf PPP-Projekte?
Durch die bessere Absehbarkeit unseres Geschäfts sind wir jetzt in der Lage, uns mittelfristige Ziele vorzugeben. Dies haben wir getan, indem wir erstmals einen strategischen Dreijahresplan präsentiert haben. Danach wollen wir per Ende 2009 ein Umsatzvolumen von 30 Milliarden Euro erreichen – und die 2006 realisierten 26 Millionen Euro zeigen, dass wir unseren Zielen sogar voraus sind.
VINCI hat sich in diesem Dreijahresplan das Ziel gesetzt, jedes Jahr neue PPP-Projekte oder Konzessionen entsprechend einem Gesamtengagement, Konzernanteil, von ca. einer Milliarde Euro hereinzunehmen. Dies ist ein deutliches Signal: wir wollen unser Geschäftsmodell, das auf gegenseitiger Befruchtung des Konzessionsbereichs und der Bauaktivitäten beruht, optimal nutzen. Die Rahmenbedingungen sind besser denn je. Das Konzessions- wie auch das PPP-Konzept finden heute nicht nur bei großen Verkehrsinfrastrukturen, sondern darüber hinaus zunehmend bei allen möglichen Projekten unterschiedlichster Größe – Krankenhäuser, Gendarmeriegebäude, Management städtischer Beleuchtungsanlagen usw. – Anwendung. Betroffen sind weite Bereiche der kommunaler Daseinsvorsorge und der großen öffentlichen Infrastrukturprogramme. Dieser wirklich fundamentale Trend wird unser Geschäft eindeutig fördern und – insbesondere über das Wartungsgeschäft – speziell die langfristige Komponente weiter stärken. Die Neuaufträge von 2006 vermitteln davon einen ersten Eindruck, und 2007 lässt sich vielversprechend an. So hat VINCI unter den Bewerbern für ein Projekt, das zum größten Konzessionsauftrag in der Unternehmensgeschichte werden könnte, Platz eins erreicht: es handelt sich um die Errichtung und den späteren Betrieb einer 365 km langen Autobahn in Griechenland, mit einem Bauvolumen von über 2 Milliarden Euro.
Das heißt: keine Änderung des bewährten Modells?
Nein, ganz bestimmt nicht, vor allem wenn dieses Modell dem Basistrend der Märkte so wunderbar entspricht! Die Grundgegebenheiten, die für das hervorragende Abschneiden von VINCI in den letzten zehn Jahren maßgeblich waren, bilden auch den Nährboden für künftige Erfolge: unser wirtschaftliches Konzept, das wir parallel zur fortlaufenden Entwicklung des Konzerns in seinen vier Tätigkeitssparten weiter vertiefen werden; unser Management-Modell, das uns auf allen unseren Märkten eine außergewöhnliche Wendigkeit verschafft; und unsere betriebswirtschaftlichen Grundsätze Ertragsorientierung ("Ertrag ist wichtiger als Volumen"), Entwicklung der Wertschöpfung und gezielte Ausrichtung auf wiederkehrende Aktivitäten – nicht nur im Konzessionsbereich, sondern auch in den anderen Sparten, wo wir ebenfalls über ein lokal verankertes Basisgeschäft verfügen.
Welche Bedeutung messen Sie der aktuellen Kommunikationskampagne von VINCI bei, dessen "Manifest" sie ja persönlich unterzeichnet haben?
Wir bringen in dieser Kampagne eine feste Überzeugung zum Ausdruck, die gleichzeitig unsere besondere Stärke darstellt: dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg muss unserer Auffassung nach zwangsläufig mit einem ehrgeizigen menschlichen Projekt einhergehen. Bei VINCI wird uns der Mensch immer wichtiger sein als irgendwelche Systeme. Wir setzen auf die Intelligenz aller Mitarbeiter, auf die Kreativität und die Fähigkeit jedes Einzelnen zur Selbständigkeit und zur Verantwortung. Und weil wir wissen, dass dauerhafter Erfolg nur eine kollektive Leistung sein kann, haben wir Aufgeschlossenheit und Toleranz zum Management-Grundsatz erhoben. Diese "menschliche Chemie" ist unser besonderes Erkennungsmerkmal – und letztlich auch unser wichtigster Wettbewerbsvorteil, wichtig gerade deshalb, weil er sich am wenigsten leicht kopieren lässt.
Mit anderen Worten: VINCI ist sicherlich eine gut funktionierende Maschine, aber es zählt nicht allein die wirtschaftliche Leistung. Dies ist die wesentliche Aussage unseres Filmspots mit der von Menschen gebildeten Brücke und gleichzeitig auch der Sinngehalt des Slogans "Les vraies réussites sont celles que l'on partage" (Echte Erfolge sind diejenigen, die man mit anderen teilt). Wir wollen unsere Mitarbeiter, unsere Kunden, unsere Aktionäre wie auch die gesamte Gesellschaft, in der wir uns bewegen, an unseren Erfolgen teilhaben lassen. Wir sind stolz, das weltweit größte Bau- und Konzessionsunternehmen zu sein, und sind bemüht, der daraus resultierenden Verantwortung in vollem Umfang gerecht zu werden.
Xavier Huillard
Geschäftsführender Generaldirektor und Mitglied des Verwaltungsrates von VINCI
